Tropischer Regenwald Cuc Phuong – Vietnams älteste Nationalpark

Vietnam hat die größte Vielfalt an Arten auf dem südostasiatischen Festland.“ sagte Tilo Nadler, ein strenger Wächter der Natur aus Dresden, der schon seit einer geraumen Zeit in Vietnam lebt und sich für die vor dem Aussterben bedrohte Tiere einsetzt. Und Recht hat er. Vietnam hat viele Nationalparks mit vielen außergewöhnlichen Pflanzen- und Tierarten. In Cuc Phuong Nationalpark wirst du einiges ein Naturwunder des Regenwaldes erleben, die du nicht bereuen wirst.

Cuc Phuong Nationalpark – Aktivitäten und Sehenswürdigkeit

Im tropischen Regenwald des Cuc Phuong Nationalparks wirst du viele seltene Pflanzen sehen, dessen Namen, du noch nie gehört hast, geschweige gesehen hast. Der üppige Wald ist ebenfalls ein Lebensraum für viele Tierarten. Wenn du Glück hast und dich still verhältst, kannst du einigen seltenen Tieren begegnen. Was du alles in diesem wunderschönen Regenwald entdecken und erleben kannst, kannst du hier nachlesen. Außerdem findest du Informationen zum Rettungsstation Rescue Center für Tiere, die vor dem Aussterben bedroht sind.

Information zum Cuc Phuong Nationalpark

Cuc Phuong wurde im Jahr 1962 als erster Nationalpark Vietnams eröffnet Er liegt rund 100 km von Hanoi entfernt und gehört zur vietnamesische Provinz Ninh Binh. Mit 22.200 Hektar Land ist er der sechstgrößte Nationalpark des Landes.

Wasserfall im Cuc Phuong Naitonalpark
Wasserfall im Cuc Phuong Naitonalpark

Seine Landschaft ist im Wesentlichen durch die Karstfelsen und das Schwemmland des Roten Flusses geprägt. Die höchste Kalksteinklippe ist Đỉnh Mây Bạc (deut: Silberne Wolke) mit einer Höhe von 656 Metern. Durch Kalksteinformationen sind viele Tropfsteinhöhlen entstanden, die man bei seiner Wanderung erkunden kann. Zwischen riesigen Kalksteinbergen liegen üppig bewachsene Täler. Die vorherrschende Vegetation dieses Dschungels ist tropischer Regenwald. Bambus und uralte, Baumriesen, die von Kletterpflanzen bewachsen werden, dominieren den Urwald. Meterhohe Wasserfälle und klare Flüsse fließen durch den Dschungel.

Klares Wasser fließt durch den Cuc Phuong Nationalpark
Klares Wasser fließt durch den Cuc Phuong Nationalpark

Fauna: Ausgeprägter Artenreichtum

Der Cuc Phuong Nationalpark ist ein wichtiger Lebensraum für viele Tierarten. Rund 89 Säugetier-, 110 Reptilien-, 65 Fisch- und 320 Vogelarten teilen sich den Lebensraum. Insgesamt sind ca. 38% der Fauna in Cuc Phuong Nationalpark vertreten.

Schmetterlinge bedecken die Wege des Cuc Phuong Nationalparks

Ein wahrer Augenschmaus für viele Touristen sind die abertausende Schmetterlinge, die im Frühjahr (Anfang März – Anfang Mai) die Waldlichtung mit flatternder Flügelpracht beehren. 400 verschieden Schmetterlingsarten kann man hier finden. Oft kommen sie in Scharren und erfüllen die Luft derartig, dass man ohne Brille kaum die Augen öffnen kann. Es leben ca. 1800 Insektenarten an diesem Ort, von dem nur ein Bruchteil hier bekannt ist.

Das Schuppentier Pangolin ist vor natürlichen Fressfeinden bestens geschützt. Bei Gefahr rollt es sich zu einem Kugel zusammen, sodass ihre scharfkantigen Schuppen nach außen klappen. Nur vor den Menschen ist das Pangolin machtlos. In Asien gilt ihr Fleisch als Delikatesse und ihre Schuppen dienen als Arzneimittel.

Loris Affen in Cuc Phuong Nationalpark
Loris in Cuc Phuong Nationalpark

Auf Bäumen wohnen viele Affenarten wie z.B. den Gibbon, den Lori und den Pandalanguren, von dem man glaubte, sie wären längst ausgestorben. Vor allem die nachtaktiven Loris sind sehr beliebt wegen ihrem niedlichen Aussehen. Um an die begehrten Jungtiere zu kommen, werden ihre Mütter vom Baum abgeschossen. Nicht viele überleben den Sturz.

Mit viel Glück trifft man auf fliegende Eichhörnchen, den Hühnerhuhn (Fasan), Fledermäuse und Stachelschweine. Ganz früher lungern Raubtiere wie Wildhunde, Tiger, Nebelparder, Leoparden und Schwarzbären im Dschungel herum, doch heute verstecken sie sich vor den Menschen, die Jag auf sie machen, um deren Feld, Knochen, Fleisch und sonst was zu verkaufen.

Flora: Riesige Bäume, viele Kräuter und Waldblumen

Schätzungsweise wachsen im Cuc Phuong Nationalpark ca. 2000 verschiedene Pflanzenarten, wovon 37 auf der Roten Liste der geschützten Spezies Vietnams stehen. Neben viele große Baumriesen kann man auch zahlreiche Waldblumen entdecken wie z.B. Orchideen. Diese wachsen fast überall in den Wäldern von Vietnam. Unzählige Kräuter und Gewürze sind im Regenwald beheimatet und sind von der fernöstlichen Medizin sehr begehrt. Riesige Farnen und Lianen breiten sich im ganzen Wald aus. Es gibt daneben diverse Obstbäume, Nussbäume und Sprossen, von denen die Tiere ernähren. Auch für Menschen sind sie zum Verzehr geeignet.

Balanophora Cucphuongensis Cuc Phuong Nationalpark
Balanophora Cucphuongensis (hoa đất) im Cuc Phuong Nationalpark

Die selten vorkommene Balanophora Cucphuongensis zählt zum fleischige, parasitisch lebende krautige Kräuter, den Laubblätter fehlen. Da sie sonst keinen Chlorophyll besitzen, sehen sie eher aus wie Pilze. Bisher wurden sie in Cuc Phuong Nationalpark und in der Provinz Kon Tum (Zentralvietnam) gefunden. Vietnamesen verwenden diesen Kräuter in der traditionelle Medizin, um den Lipido zu stimulieren. Dabei wird ihm nicht nur die selbe Wirkung von Viagra zugeschrieben, sondern er soll auch dabei helfen, den Prozess des Samenergusses zu verlangsamen. Diese seltene Pflanze steht auf der Roten Liste der Pflanzen.

Aktivitäten im Cuc Phuong Nationalpark

Wanderweg durch Cuc Phuong Nationalpark
Wanderweg durch Cuc Phuong Nationalpark

Man kann im Cuc Phuong Nationalpark Wandern, Bergsteigen, Trekking machen und mit dem Rad oder Moped fahren. Letztere ist unerhört und gehört verboten. Wie kann die vietnamesische Regierung erlauben, durch die wenigen Regenwälder, die die Welt noch besitzen, mit Motorluft zu verseuchen? Aber ich rede da gegen die Wand. Die vietnamese Regierung stellt sich einfach taub, wenn es um Natur- und Umweltschutz geht. Der Weg wie man ihn oben auf dem Bild sieht, sind für Kraftfahrzeuge frei. Allerdings bitte ich allen inständig darum, das Fahrrad zu benutzten oder zu Fuß zu gehen, damit diese schöne Landschaft uns noch viele Jahre erhalten bleibt.

Gepflasterte Wanderwege im Cuc Phuong Nationalpark
Gepflasterte Wanderwege im Cuc Phuong Nationalpark

Im Park gibt es sowohl gepflasterte als auch wilde, naturbelassene Wanderwege. Je nach Geschmack kannst du dich selbst auf das Abenteuer begeben oder dir einen Guide holen. Es gibt viele Pfade mit unterschiedlichen Weglängen und Höhenlage im Wald, die für unterschiedliche Ansprüche gedacht sind. Die Wege sind meist sehr uneben. Von einstündiger Wanderung bis hin zu mehrtägige Trekkingtouren mit Übernachtung im Wald oder im Dorf der einheimischen Minderheit Muong ist alles dabei. Die Muong und zwei kleine Dörfer waren früher selbst Bewohner des Urwaldes, bis sie 1989 gezwungen wurden, an den Rand des Waldes umzusiedeln.

Cuc Phuong Nationalpark: Höhle aus der Steinzeit

Einige Wege führen zu Höhlen, wo Menschen aus der Steinzeit hier gelebt haben. Heute haben die Höhlen eher eine Religiöse Bedeutung. Vietnamesische Besucher zünden im stillen Gebet ein Räucherstäbchen.

Wer die Dunkelheit nicht fürchtet, kann eine Nachwanderung durch den tropischen Regenwald wagen. Bei Abenddämmerung kommen seltene Tiere, die sich tagsüber versteckt halten, zum Vorschein, wie z.B. das schwarze Rieseneichhörnchen, das indische fliegende Eichhörnchen, der Samba-Hirsch, Lori-Papageien und kleine Raubtiere.

Ein unglaublicher Anblick ist dieser vom Licht der Glühwürmchen erhellter Wald bei Abenddämmerung. So was kann man am besten im Hochsommer beobachten. Während der Winterzeit (Trockenzeit) gibt es keine Glühwürmchen.

Im Wald sind sehr viele Moskitos. Vor allem in den Sommermonaten sind sie zahlreich vertreten. Daher solltest du langärmlige Bekleidung anziehen. Die langen Klamotten sind bestimmt unangenehm bei der Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit, aber spätestens wenn Spinnen auf dich herabfallen oder Moskitos mit Leidenschaft von deine Blut kosten, wirst du froh über den Tipps sein. Die Wanderung im Wald ist wirklich sehr schön und man hört die Tierwelt von allen Himmelsrichtungen.

Cuc Phuong Nationalpark ist bedroht

Viele Tiere sind aufgrund der illegalen Wilderei vor dem Aussterben bedroht. Vor allem die nachtaktiven Primaten (Loris) sind wegen ihres niedlichen Aussehens sehr beliebt beim illegalen Tierhandel. Nicht nur die Tierwelt, sondern auch die Pflanzenwelt sind Opfer von Massenrodung, fragmentierte Zerstörung der Habitate (natürlicher Lebensraum von Lebewesen) und inländische Ökotourismus. Für die chinesische Medizin wird ebenfalls eine Unmenge an Kräuter gebraucht, die nicht nur der vietnamesischen Bevölkerung dienen, sondern auch ins Ausland verkauft werden.

Silberfarbener Haubenlangur im Primat Rescue Center des Cuc Phuong National Parks
Bedrohter Silberfarbener Haubenlangur im Primat Rescue Center des Cuc Phuong National Parks

Vietnam war lange Zeit sehr arm und von Krieg gezeichnet. Als endlich Frieden im Land herrscht und die Wirtschaft einen Aufschwung erlebte, die unter anderem dem Tourismus zu verdanken hat, werden die Menschen blind durch das plötzliche Reichtum. Sie vergessen, was das Land so besonders macht und sehen sich außer Stande ihre wertvolle Erbe zu hüten. Ihr Verständnis von Ökotourismus liegt weit entfernt von den westlichen Vorstellungen. Sie wollen den Park zu Unterhaltungszwecken der Touristen in einem Funpark verwandeln, um noch mehr Geld einzutreiben. Das ist wirklich sehr traurig.

Tilo Nadler und seine Familie
Tilo Nadler und seine Familie

Im Rahmen der Nadlers Projekte, die der deutsche Naturwächter Tilo Naldler ins Leben gerufen hat, werden in den Dörfern und Schulen der Umgebung Themen der Natur- und Umweltschutz durchgenommen. Dabei werden die Einheimische und vietnamesische Touristen durch die Schutzgehege bedrohter Tierarten geführt und aufgeklärt. Hoffentlich kommen die Menschen bald zur Einsicht und lernen ihre Naturerbe zu schätzen und zu schützen.

Tierschutzstationen und Erhaltungszuchten in Cuc Phuong

Vor dem Eingang befindet sich das Rettungszentrum bedrohter Tierarten der Nadler Projekte. Es gibt eine Station für Affen, eine für Schildkröten und eine für Raubtiere. Zurzeit werden 126 Affen aus 15 Arten im Endangered Primate Rescue Center beherbergt. Nach der Beschlagnahmung werden die Tiere 6 Wochen lang in Quarantäne gehalten, wo sie entwurmt und verschiedene Tests auf Krankheit durchlaufen, bis sie wieder in die Wildnis gelassen werden. Die Tiere werden nicht nur liebevoll gepflegt, sondern auch gezüchtet, damit ihre Art nicht ausstirbt. Dasselbe geschieht mit den Schildkröten und den Raubtieren.

Primate Rescue Center - Cuc Phuong National Park
Primate Rescue Center – Cuc Phuong National Park

Im Rettungszentrum Cuc Phuong Nationalpark arbeiten viele deutsche Studenten, die den Tieren deutsche Namen geben, wie Fritz oder Heidi, das irgendwie lustig klingt.

Einige Touristen finden die Rettungsstation herabgekommen und nicht durchdacht. Bedenke bitte, dass hier ein Freiwilliger sich für die Tiere einsetzt und nicht das nötige Mittel vom Staat bekommt. Er widmet sich sein Leben der Artenbedrohung und hat dabei nicht im Sinn, seine Rettungsstation als touristische Attraktion oder Tierpark zur Verfügung zu stellen. Der Zugang zum Gehege dient lediglich dazu, die Menschen, allen voran die Einheimischen und vietnamesische Touristen sensibel für die Tier- und Pflanzenwelt zu machen. Tilo Nadler stößt hier auf taube Ohren. Kein Wunder, dass er nicht besonders gut auf Touristen zu sprechen ist.

Ticket für Cuc Phuong Nationalpark

Eintritt zum Cuc Phuong Nationalpark: 60.000 VND (2,30 Euro)

Eintritt zum Rescue Center (Schutz- und Zuchtzentrum): 30.000 VND (1,15 Euro)

Stand: 15. August 2018

Cuc Phuong Nationalpark Reise-Wetter

Im Sommer fließt das Wasser bei den Wasserfällen am stärksten und daher sind sie zu diesem Zeitpunkt am schönsten anzuschauen. Im Wald ist es aber sehr heiß und schwül. Wer die Hitze nicht gewohnt ist, kann leicht müde und schlapp werden. Zudem liegt die Regenzeit in Nordvietnam genau zwischen Mai und September, weshalb man im Sommer höchstwahrscheinlich im Nassen stehen wird. Während der Winterzeit ist es angenehm kühl und die Wanderung wird zum echten Naturerlebnis. Die Trockenzeit ist von Oktober bis April, wobei es in April schon deutlich schwüler wird. Daher ist die beste Reisezeit für Cuc Phuong Nationalpark von Oktober bis März. Wer aber die ausgefallenste Tiere in Wald sehen möchte, muss sich leider dazu durchringen im Hochsommer seine Wanderung zu machen.

Fazit zu Cuc Phuong Nationalpark

Cuc Phuong Nationalpark ist definitiv einen Besuch wert. Der Park hat wirklich schöne Strecken zum Wandern, auf der man auf viele Waldtiere trifft, wenn der Zufall sich fügt. Die Natur ist fantastisch. Sie bietet eine erstaunliche Kulisse aus Pflanzenwelt, Vogelgezwitscher, sowie wildumherfliegende Schmetterlinge. Für Naturliebhaber und Wanderer wird Cuc Phuong Nationalpark eine der schönsten Vietnam Sehenswürdigkeiten sein.

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